4 Fragen an Wolfgang Schlagwein

Was sind Deine politischen Schwerpunkte?

Der lange Weg zur Energiewende steht sicher im Vordergrund. 1989 habe ich als junges Kreis- und Stadtratsmitglied den Kampf um den Kauf des Stromnetzes von RWE und um ein eigenes Stadtwerk begonnen. Über 20 Jahre später war es dann soweit: Einstimmig entschied sich der Rat 2010 für die Gründung der heutigen Ahrtalwerke. Jetzt betreiben wir eine 4 km lange Nahwärmetrasse mit Biogas in effizienter Kraft-Wärme-Kopplung, vermeiden dadurch erhebliche CO2-Emmissionen, verkaufen zugleich Strom und Gas, und – Ironie der Geschichte – mit Beginn des Jahres 2015 und mit meinem Einzug in den Landtag, war nach vierjähriger Auseinandersetzung mit RWE auch der Kauf des Stromnetzes durch die Ahrtalwerke perfekt.

Solche Neugründungen von Stadtwerken oder auch Energiegenossenschaften zeigen, wie wir verkrustete, buchstäblich „fossile“ Strukturen der alten Energiemonopole aufbrechen und Autonomie, Gestaltungsmöglichkeiten und wirtschaftliche Kraft in unsere Kommunen und Regionen zurück holen können. Deshalb ist mir die Vielfalt der Akteure wichtig, die die Energiewende überhaupt möglich gemacht haben: Jede zweite Kilowattstunde aus Solarenergie ist durch Bürgerinnen und Bürger auf den Weg gebracht worden. Ich sehe Energie immer stärker als regionales Gemeinschaftsgut, die Energiewende als Teilhabeprojekt und dritten Weg neben eine reinen Staats- oder Privatwirtschaft.

Seit wann engagierst Du Dich für die GRÜNEN? Was bewegte Dich zu den GRÜNEN?

Ich bin 1985 eingetreten und war dann schnell im Kreisvorstand, ab 1989 in der Kommunalpolitik aktiv. Noch vor der Energiewende hat mich vor allem das Interesse am ökologischen Landbau und an Fragen der Stadt- und Regionalplanung zu den Grünen gebracht. 1990 habe ich dann auch eine Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaft mitbegründet, deren Vorstand ich 10 Jahre war. Wir haben uns mit der Vermarktung ökologischer Produkte aus der Region beschäftigt und einige Jahre einen Bauernmarkt in Bad Neuenahr betrieben. Am meisten gelernt habe ich übrigens von einem SPD-Mitglied: Hermann Scheer.

Was hat Dich am meisten geärgert?

Das überflüssige Millionen-Desaster am Nürburgring. Wir Grüne haben im Kreistag über Jahre als einzige gewarnt, nach all den Pleiten, Pech und Pannen mit der damaligen Geschäftsführung der Nürburgring GmbH nicht noch größere Risiken und Abenteuer einzugehen. Hören wollte niemand.

Was beschäftigt Dich, wenn Du gerade keine Politik machst?

Unser Garten.

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