Rede zum Neujahrsempfang der Ahrweiler Grünen

Willkommen im Kreis – oder können wir sagen: in der neuen Heimat?

Das Glück der Heimat ist im deutschen Kulturkreis ein problematisches (Ludwig Trepl). Heimat geht auf die alte Sprachwurzel Heimöti, für Niederlassung, Wohnstatt zurück. Der Gegenbegriff zur emotional positiv besetzten Heimat war „Elend“, das auf das althochdeutsche Wort Elilenti zurück geht. Elilenti ist die „Fremde“, das „andere Land“. Wer seiner Heimat beraubt wurde, befand sich im Elend. Im 19. Jahrhundert wurde Heimat dann eine konservierende, vor allem ausgrenzende Denkfigur. Heimat, vor allem die Heimatlandschaft, wurde bedroht durch Verstädterung, durch Industrialisierung (heute würde man sagen: Globalisierung), durch die Unordnung der französischen Revolution wie durch liberale, heimatlose Kosmopoliten und Kapitalisten. Das ist der Kern der konservativen Zivilisationskritik. Auch im grünen Spektrum ist sie nicht ganz ungewohnt. Heimat, das sollte immer so bleiben, wie es vermeintlich immer schon war. Heimat, in diesem Denkmuster, schloß alles Fremde aus. Fremde sollen gefälligst an ihrer Kultur festhalten, aber bei sich zu Hause. Multikulti ist in dieser Sicht, wenn andere an der eigenen Kultur festhalten, nur am falschen Platz. Es ist diese Vorstellung von Heimat, die uns heute an einigen Stellen die Aufnahme von Flüchtlingen und Zuwanderern so schwer macht, an einigen Stellen übrigens auch die Energiewende. Doch so ist es nicht. Da kann Pegida ihr Holzkreuz in Dresden noch so dick mit schwarz-rot-gold bemalen, sie können nicht übertünchen, dass dieses Kreuz aus dem Morgenland, von fremden Boden hierhin kam. Und von Fremden hierhin gebracht wurde.

Heute ist uns die christliche Kulturlandschaft mit ihren Kirchtürmen vertraut. Aber sie war eben nicht immer so.Die Heimat, die vertraute Kulturlandschaft, die Einige heute als unveränderlich betrachten, als von allen äußeren Einflüssen abzuschotten, musste in Wirklichkeit über Jahrhunderte entwickelt werden und war ohne die Aufnahme des Fremden nicht möglich. Übrigens auch nicht ohne Entwicklung von Technik und Industrie. Jede Generation hat ihre Heimat, ihre Kultur und Landschaft geprägt.

Auf das richtige Maß kommt es halt an.

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