Rede zum Neujahrsempfang der Ahrweiler Grünen

Prof. Stefan Sell von der FH Remagen erinnert als Festredner beim Neujahrsempfang der Kreis CDU diese CDU an ihre historische Leistung nach 1945: nämlich die Konfessionsgrenzen im Parteienspektrum zwischen Katholiken und Protestanten zu überwinden und eine konfessionsübergreifende Christliche Partei zu gründen.
Ein langer Weg, auch für die CDU. Ich erinnere mich, als Schulkind noch an den Strich auf dem damaligen Neuenahrer Schulhof, der evangelische von katholischen Kindern trennte. Undenkbar heute! Warum aber erinnert Stefan Sell die CDU an ihre historische Leistung? Er verknüpft es mit einer Aufforderung an die CDU, sich erneut zu einer historischen Leistung durchzuringen und nun die Grenzen zwischen Christentum und Islam parteipolitisch zu überwinden. Undenkbar heute?
Er bekam Beifall für seine Worte. 

Ein anderer Professor, der Ökonom Werner Sinn, durfte neulich in der FAZ schreiben, jeder einzelne Flüchtling koste uns im Jahr über 1300 Euro. In der FAZ, also in „Lügenpresse“, laut Pegida. Werner Sinn, das ist der, der vor Jahren in einem Bestseller fragte, ob „Deutschland noch zu retten“ sei. Nicht: „Deutschland schafft sich ab“. Das war ein anderer, aber vom selben Geiste.

Sinn zeichnete eine von ihm so genannte deutsche „Basarwirtschaft“, die zwar viel exportiere, aber nichts verdiene, weil sie nur noch zusammenschraube, was andere lieferten. „Basarwirtschaft“ – der Mann scheint mit dem Morgenland schon länger ein Problem zu haben. Sinn ist der Ökonom, der vor Jahren den deutschen Sozialstaat international für nicht mehr wettbewerbsfähig hielt, Lohnsenkungen forderte, bei Geringverdienern gleich um 30 Prozent. Laut Sinn ersparen Atomkraftwerke Lungenkrankheiten, weil wir sonst Kohlekraftwerke bauen müßten. Sinn erzählte uns was vom Grünen Paradoxon, wonach die Energiewende zu mehr CO2 Ausstoß führe. Die AfD betet das heute noch nach. Sinn hätte allerdings Recht, meinte er die Energiewende von Merkel und Gabriel. Die meinte er aber gerade nicht.

Im Gegensatz zu Herrn Sinn, werben die allermeisten Ökonomen und Sozialwissenschaftler für Zuwanderung. Prof. Sell tat auch dies beim CDU Neujahrsempfang, und er tat es vor der Dienstkonferenz der Bürgermeister im Kreis Ahrweiler vergangenen Herbst.
 Seit einigen Jahren, so seine Warnung, scheiden 190.000 Menschen/Jahr aus Altersgründen aus dem Arbeitsprozess aus, 2014 waren es erstmals über 200.000 . Von unten, von jüngeren werden sie nicht mehr ersetzt werden. Das ist die Demografie.
Ersetzt wurden sie bis heute noch vor allem durch Frauen, denen der Ausbau der Kinderbetreuung den Einstieg in den Beruf ermöglichte. Diese Reserve erschöpft sich allmählich.
Der übrige Ausgleich kam durch Menschen, die zuwanderten, vom LKW Fahrer bis zum Softwareingenieur. Diese Quelle wird nun von Jahr zu Jahr wichtiger. An jenes „Kinder statt Inder“ erinnern sich Einige deshalb nicht mehr so gerne.

Es ist nur wenige Jahre her, als wir Kommunalpolitiker mit Vertretern der Arbeitsagentur, des Handwerks, der IHK, der Schulen diskutierten, wie und wo wenigstens noch ein paar Leerstellen zu schaffen wären, um nicht noch mehr Jugendliche von der Schule in die Perspektivlosigkeit zu entlassen. 
Das hat sich völlig gedreht. Mehr und mehr Lehrstellen bleiben unbesetzt. Ohne Zuwanderung werden sie unbesetzt bleiben. Jede 5. Existenzgründung im Jahr entfällt heute auf Migranten. Das ist mehr als ihr Anteil an der Bevölkerung. Dass Menschen auch unternehmerische Wagnisse eingehen, den Mut zur Initiative haben – wen wundert das, wenn sie oder ihre Eltern sich zuvor durch die Bürgerkriege des Nahen Ostens oder quer durch Nordafrika, mit Seelenverkäufern übers Mittelmeer bis hierher zu uns durchgeschlagen haben? Willkommen im Kreis, kann ich da nur sagen. Respekt vor diesem Mut.

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